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Sonntag, 11.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Gesellschaft

Mexiko: Wenn die Corona-Pandemie eine Rückreise nach Deutschland unmöglich macht

In ganz Lateinamerika befindet sich die Corona-Pandemie auf dem Höhepunkt. Die Zahl der Infizierten hat sich nach Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen schlagartig verdoppelt. Ein in Deutschland studierender Mexikaner erzählt von den Ereignissen vor Ort.

Von Annika Kögel

Wie in Deutschland: Gesperrte Parks in Mexico. Gehamstert wurde kein Klopapier, sondern Bier © DAZ

Nach zwei Jahren als Austauschstudent in Deutschland endlich die Familie und Freunde in Mexiko wiedersehen – darauf hatte sich der 28-jährige Mexikaner Carlos Naranjo lange gefreut. Bereits einige Tage nachdem er seine Reise Anfang März antrat, begann jedoch fast ganz Lateinamerika damit, strenge Beschränkungen gegen die Ausbreitung des Corona Virus durchzusetzen. Seine Freunde konnte Carlos anfangs wiedersehen, die Verunsicherung durch Corona war jedoch nun sowohl in Mexiko, als auch in Deutschland schon so weit vorangeschritten, dass er den Besuch bei seiner Oma lieber auf später verschob. In fünf Wochen wollte er nach Ulm zurückkehren, um sein Masterstudium zu Ende zu bringen, seine Familie war jedoch durch die in Deutschland extrem steigenden Infektionszahlen beunruhigt – während in Mexiko noch nicht viel von der Pandemie zu spüren war. Heute ist das Gegenteil der Fall.

Im Laufe des Monats März begann Mexiko, die Präsenzkurse in den Universitäten und große Veranstaltungen zu verbieten und obwohl Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador die Pandemie herunterspielte, wurden rasch Maßnahmen ergriffen. Auch begannen die Menschen in Mexiko Stadt freiwillig, in ihren Häusern zu bleiben, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Heute ist das nicht mehr ganz so: Wie in ganz Lateinamerika arbeiten viele Menschen in Mexiko im informellen Sektor, sie müssen täglich arbeiten, sonst gibt es nichts zu essen. Dies treibt die Menschen auf die Straße – allerdings gibt es auch viele, die die Sicherheitsmaßnahmen nicht einhalten, oder ohne Maske ihre Freunde besuchen gehen. Außerdem zählen im Land viele Menschen durch Fettleibigkeit und Diabetes zur Risikogruppe der Pandemie. Mittlerweile ist Mexiko daher mit 226.000 Infizierten – die Dunkelziffer soll jedoch sehr viel höher sein – auf Platz 11 der Länder mit den weltweit höchsten Infektionszahlen. Fast 28.000 Todesfälle sind bereits zu verzeichnen. Und in der Hauptstadt waren im Juni bereits 75 Prozent der Krankenhäuser ausgelastet oder konnten gar keine Patienten mehr aufnehmen.

Und während Carlos seine Koffer für den Rückflug bereits gepackt hatte, obwohl er seine Freunde und Verwandten kaum sehen konnte, wurde ihm im April sein Flug nach Deutschland gecancelt. Zum Semesterbeginn war er daher nicht in Ulm, da dort aber die Vorlesungen auch online sind, hatte er die Möglichkeit, diese in Mexiko mit zu verfolgen: Durch die Zeitverschiebung jeweils um 1, 3 und 5 Uhr nachts. „Ich habe dann einen neuen Flug gebucht, um im Mai zurück zu können, da ich im Juni Prüfungen haben sollte. Kurz vorher wurde dieser Flug jedoch auch abgesagt. Das gleiche passierte mir wieder mit dem nächsten Flug im Juni, so dass ich dieses Semester wohl nicht zurück kann und die Prüfungen in einem Jahr schreiben muss“, erzählt Carlos. Seine Wohnung, Krankenversicherung und Semestergebühren in Deutschland muss er trotzdem weiter zahlen. In Mexiko sieht er die Lage problematisch, da Präsident López Obrador der Bevölkerung ähnlich wie Brasiliens Präsident Bolsonaro mitteilt, dass man sich keine Sorgen machen müsse, die Gesundheitsminister jedoch das Gegenteil behaupten. 

Mexico-Stadt: Leere Bier-Regale im Supermarkt © DAZ

Dennoch wurden bereits seit März teils strenge Einschränkungen bekanntgegeben, weshalb die Kurve langsam anstieg. Rund die Hälfte aller verzeichneten Fälle trat demnach erst auf, als das Land mit wirtschaftlichen und sozialen Lockerungen begann. Seit einem Monat ist Mexiko  zwar in der „roten Phase“ – mit Empfehlung, zuhause zu bleiben. Aufgrund der sich stark verschlechternden wirtschaftlichen Lage soll ab heute jedoch wieder ein Teil der Beschränkungen gelockert werden und in die „orangene Phase“ übergegangen werden. 

Auch wenn Europa das Schlimmste bereits hinter sich zu haben scheint, während Lateinamerika sich im Höhepunkt der Phase befindet – eines vereint in Zeiten von Corona alle Länder: Hamsterkäufe. In Mexiko wurde anders als in Deutschland allerdings kein Klopapier gehamstert, sondern Bier. Dieses durfte nämlich nicht mehr hergestellt werden, da nur noch die Produktion von lebensnotwendigen Gütern erlaubt wurde.

Infektionskurven: https://en.wikipedia.org/wiki/COVID-19_pandemic_in_Mexico

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