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Donnerstag, 08.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Als die Jugend sich ihre eigenen Orte eroberte: Neues Buch über Augsburgs erste Jugend­zentren

Die Augsburger Ethno­login Leonie Herrmann hat die Geschichte der ersten drei Jugend­zentren der Stadt erforscht. Ihr Buch „Jugend­häuser in der Stadt“ zeigt, wie sehr diese Treff­punkte das Leben junger Menschen zwischen 1970 und 1995 geprägt haben.

Von Bruno Stubenrauch

Dr. Leonie Herrmann mit ihrem Buch „Jugend­häuser in der Stadt“ (Bild: lima423)

Jugend­zentren sind für junge Menschen weit mehr als Orte für Freizeit­angebote. Sie gestalten diese Treff­punkte selbst mit und tragen die Erinnerung daran oft über Jahr­zehnte mit sich. Genau damit beschäftigt sich Leonie Herrmann in ihrer wissen­schaftlichen Arbeit: Sie hat die drei ersten Augsburger Jugend­zentren untersucht – das No 1 in Kriegshaber, das Juze am Schlössle in Pfersee und die heutige Villa, damals K15, in der Kanal­straße im Stadtteil Bleich.

Der Untersuchungs­zeitraum reicht von 1970 bis 1995. Herrmann geht der Frage nach, wie über diese Einrichtungen heute erzählt wird und welche Geschichten das Bild der Jugend­zentren bis in die Gegenwart prägen. Auch Probleme innerhalb der Juzes spart sie dabei nicht aus.

Gespräche und Archiv­material als Grundlage

Für ihr Buch führte die Autorin persönliche Gespräche mit früheren Mitarbeitenden und Besuchenden der Jugend­zentren und wertete historische Dokumente aus Archiven aus. So entsteht ein viel­schichtiges Bild davon, welche Bedeutung diese Orte für die Menschen in Augsburg hatten und wie sie das städtische Zusammen­leben mitgeprägt haben. Herrmann beschreibt es so: Aus den viel­fältigen Kontakten sei ein Mosaik ganz unterschiedlicher Eindrücke aus den Jugend­häusern entstanden.

Dass junge Menschen überhaupt eigene Orte in der Stadt bekamen, ist historisch gesehen ein relativ junges Phänomen. Während sich Verwaltungen, Schulen oder Kranken­häuser schon früh in Städten etablierten, entstanden eigene Bereiche für Jugendliche erst spät im 20. Jahr­hundert. Ein Grund dafür: Die „Jugend“ wurde erst mit Beginn der Moderne als eigen­ständige Lebens­phase begriffen, nachdem im 19. Jahrhundert Gesetze und Verfassungen erstmals feste Alters­grenzen etwa beim Wahl­recht einführten.

Von Kriegshaber bis Haunstetten

Heute tragen die meisten Jugend­zentren eigene Namen. Der Augsburger Stadt­jugend­ring listet aktuell 14 Einrichtungen auf seiner Internet­seite, vom Hangout im Bärenkeller bis zum Südstern in Haunstetten. Nur das Jugend­zentrum in Pfersee heißt nach wie vor Juze am Schlössle.

Für die Zukunft solcher Orte sieht Herrmann klaren Bedarf. Die Corona­pandemie und die damit verbundene Schließung von Einrichtungen der Offenen Jugend­arbeit hätten bei Jugendlichen für Frustration gesorgt – in mehreren euro­pä­ischen Städten sei es infolge­dessen zu Aus­schrei­tungen gekommen.

Leonie Herrmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehr­stuhl für Europäische Ethno­logie und Volks­kunde der Universität Augsburg. Sie forscht unter anderem zu urbaner Anthropo­logie, historischer Jugend­kultur­forschung und Oral History. Aktuell beschäftigt sie sich in einem neuen Projekt mit Graffiti und Street-Art als städtischen Erinnerungs­praktiken.


Bibliografische Angaben

  • Titel: Jugendhäuser in der Stadt. Erinnerung und Bedeutung in Augsburg
  • Autorin: Leonie Herrmann
  • Reihe: Urban Habitat und Humanities, Band 7
  • Herausgeber: Universität Augsburg
  • Umfang, Ausstattung: 390 Seiten, Hardcover
  • Preis: 35,00 Euro
  • ISBN: 978-3-8192-3238-1
  • Bezugsquelle: Buchhandlung am Obstmarkt, Obstmarkt 11, 86152 Augsburg

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