UNESCO-Welterbe: Gibt es andernorts eine ähnlich kunstvolle Wasserwirtschaft?
Wer auf die vermessene Idee kommt, die bayerische Landeshauptstadt München mit der Stadt Augsburg zu vergleichen, dem soll gesagt sein, dass das Haushaltsvolumen Münchens um das 8-fache (8,1 Milliarden) höher ist als das der Stadt Augsburg.
An der Kultur lässt sich das sehr deutlich ablesen. München hat eine weltweit beneidete Theaterlandschaft, eines der besten philharmonischen Orchester überhaupt, ein Literaturhaus, einen Überhang an Konzertsälen und insgesamt eine überbordende kulturelle Struktur, die man mit Paris, London oder eben gerade noch mit dem hoch subventionierten Berlin vergleichen kann. Was München im Vergleich zu den aufgeführten Metropolen fehlt, ist ein UNESCO-Welterbetitel. Deshalb ist es in der Tat bemerkenswert, dass sich München nun seit Jahrzehnten genau darum erfolglos bemüht.
Zum Welterbe in Deutschland gehören (Stand 2021) 51 UNESCO-Welterbestätten, darunter 48 Stätten des Weltkulturerbes und drei Stätten des Weltnaturerbes. Acht Welterbe-Titel sind in Bayern verortet. Die Landeshauptstadt München ist, wie gesagt, nicht dabei. Die aussichtsreichste Bewerbungen wurden bereits in den Achtzigern eingereicht: Im Jahr 1984 wurden zwei Objekte auf die offizielle Vorschlagsliste Deutschlands gesetzt: der Schlosspark Nymphenburg und das Ensemble Ludwigstraße, Königsplatz, Odeonsplatz und Feldherrnhalle – ohne Erfolg. Im Gespräch waren der Viktualienmarkt und das Oktoberfest – als immaterielles Kulturerbe. Das Olympiastadion und der Englische Garten wurden als Möglichkeiten angeführt und verworfen. Und nun steht wieder das Schloss Nymphenburg zur Debatte, auch wegen seiner Technik zur Wasserversorgung.
Keine neue Idee, die allein schon deshalb zum Scheitern verurteilt ist, weil sich die Stadt Augsburg mit diesem Strukturthema beworben hat. Erfolgreich beworben hat, wie man von Augsburg aus mit ein wenig Schadenfreude Richtung München rufen möchte. Wer nun in München oder anderswo das Augsburger Gesamtkunstwerk Wassersystem verstehen möchte, dem sei ein Buch empfohlen, das für die DAZ kein geringerer als Professor Karl Ganser besprochen hat. Eine grandiose Besprechung eines grandiosen Buches zu einer erfolgreichen Bewerbung, die bereits im November 2016 in der DAZ erschien und heute aus aktuellem Anlass leicht verändert neu aufgelegt wurde. (Siegfried Zagler)
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Ein Kompendium der Extraklasse
Von Karl Ganser
2011 bekundete Augsburg die Absicht, die historische Wasserwirtschaft der Stadt in die Liste des UNESCO-Welterbes aufnehmen zu lassen. Martin Kluger hatte die Idee und verfasste auch den Text der Interessenbekundung. Er legte dazu ein „Begleitbuch“ auf, das die ganze Faszination dieses Themas bewusst macht. Und er fasste nach. Er sichtete Quellen mit der Frage: Gibt es andernorts eine ähnlich kunstvolle Wasserwirtschaft?
In der Bewertung der Kommission, die mit der Bewertung einer großen Zahl an Interessenbekundungen aus Deutschland betraut war, ist bestätigt: „Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg“ gehört zu den Interessenbekundungen, die für die Aufnahme in das Welterbe in 2019 weiter verfolgt werden sollen. (mehr …)
