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Sonntag, 11.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Operettenglanz im Martinipark

Das Hallen-Flair des Martiniparks wurde am Rosenmontag schon zum zweiten Mal zur Glitzerkulisse der BR-Gala mit Verleihung des  Operettenpreises

Von Halrun Reinholz

Bildquelle: BR/Nadia Weber

„Die wilden 20er“ waren das Motto der Operettengala, die der Bayerische Rundfunk im Martinipark zelebrierte. Die Operette – ein totes Genre? Den Eindruck hatte man nicht, wenn auch das zahlreich anwesende Publikum doch noch einen Tick ergrauter schien als sonst. Immerhin hatten einige der anwesenden Damen sich dem Motto gemäß mit Federboas und Kopfschmuck ausgestattet. Auch die Moderatoren des Abends waren entsprechend ausstaffiert: Franziska Stürz mit goldglitzerndem Charleston-Kleid und Stefan Frey mit Knickerbocker und Schiebermütze. Die Augsburger Philharmoniker saßen unter Kronleuchtern, flankiert vom Opernchor. Ein gut gelaunter Ivan Demidov dirigierte im ersten Teil Melodien von Franz Lehár, dessen 150. Geburtstag man in diesem Jahr feiert und dessen „Lustige Witwe“ derzeit in Augsburg auf dem Spielplan steht. 

Olena Sloia und Roman Poboinyi überzeugten in den Solopartien oder Duetten. Für heitere Schauspiel-Intermezzi sorgte mit schmelzendem Charme Sebastian Baumgart als „Danilo“, dem leichtlebigen Grafen aus der „Lustigen Witwe“. Im zweiten Teil kam mit Jacques Offenbach und Hervé eine französische Komponente ins Spiel. Gleichzeitig stellten die Moderatoren die Gewinner des jeweils monatlichen „Frosch“ vor – dieser Preis (benannt nach dem berühmten Gefängniswärter in der „Fledermaus“) wird von der BR-Klassik-Sendung „Operettenboulevard“ jeden Monat an besondere, zeitgemäße und/oder innovative  Operetteninszenierungen verliehen. Aus den zwölf „Monatsfröschen“ wurde dann der „Frosch“ des Jahres 2019 gekürt, in dem Fall die „Palazzetto Bru Zane“  Stiftung für  Tourneetheater-Produktionen für die Produktion „Yes“. 

Ein weiterer  Programmpunkt des Abends war die Verleihung der „Orpheus-Nadel“  des gleichnamigen Opernmagazins. Sie geht alljährlich an Personen, die sich um die zeitgemäße Pflege der Operette verdient gemacht haben. Gekürt wurde diesmal der Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters Ernst Köpplinger, der in dieser Spielzeit mit einer aufsehenerregenden Inszenierung von „Drei Männer im Schnee“ bereits einen der monatlichen „Frösche“ zugesprochen bekommen hatte. Zur Gala hat er Camille Schnoor mitgebracht, die als Gast die Arie “Vilja, oh Vilja“ aus der Lustigen Witwe sang. 

Die Laudatio hielt Orpheus-Chefredakteurin Iris Steiner, deren Augsburger Herkunft und Vernetzung wohl die Gala im Martinipark zu verdanken ist. Tatsächlich ist es für das Augsburger Staatstheater eine bemerkenswerte Präsentation nach außen. Nicht nur unter den Zuschauern waren offenbar viele Auswärtige, der Mitschnitt der Gala wurde vielmehr traditionell am Faschingsdienstag in BR Klassik übertragen. Es schadet auf jeden Fall nicht, wenn die doch sehr vorzeigbare musikalische Qualität des Augsburger Theaters auch über den schwäbischen Tellerrand hinaus leuchtet. Die „Operettenrevue“ endete jedenfalls im begeisterten operettenseligen Applaus des Publikums für Orchester, Chor und Solisten und mit einem Glas Sekt für jeden Besucher.

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