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Sonntag, 11.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Der Konsul: Außergewöhnliche Opernpremiere im Martinipark

Der Regen, der während der Premiere auf das Dach der Halle im Martinipark prasselt, passt zu der depressiven Stimmung, die die Oper  „Der Konsul“ von Gian Carlo Menotti erzeugt.

Von Halrun Reinholz

Der Konsul: Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte © Jan-Pieter Fuhr

Das Prasselgeräusch stört trotzdem sehr, denn es sind durchaus feine und auch leise Töne, die Menotti vor 70 Jahren komponiert hat. Das Thema war damals aktuell und hat ihn offenbar sehr berührt: Menschen, die um ihr Leben fürchten müssen, die ihre ganze Hoffnung auf ein Visum legen, das ihnen die Flucht vor Repression ermöglicht. Die auf das Wohlwollen eines Konsulats, einer Regierung angewiesen sind. John Sorel (Wiald Withold) ist als Widerstandskämpfer im Visier der Geheimpolizei. Er will über die Grenze fliehen, seine Frau Magda (Sally du Randt) und seine Mutter (Kate Allen) sollen beim Konsulat des betreffenden Landes ein Visum beantragen, um ihm mit dem neugeborenen Kind zu folgen. Doch sie sind nicht die Einzigen, die ein Visum begehren. Im Konsulat treffen sich täglich dieselben verzweifelten Menschen, um von der Konsulatssekretärin zu erfahren, was noch an Unterlagen und Papieren fehlt, damit ihr Antrag berücksichtigt werden kann.

Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte und sich deshalb für den Spielplan förmlich anbietet. Antje Schupp, eine erfahrene und international gut vernetzte Regisseurin, ist eine geschickte Wahl für die Inszenierung. Denn sie macht nicht den Fehler, das Thema plakativ auf die aktuelle Flüchtlingsthematik zu reduzieren.

Die Handlung der Oper ist so universell wie zeitlos. In keinem Zusammenhang wird Zeit oder Ort der Handlung genannt. Das Konsulat kann sich in jedem Land der Welt befinden und jedes Land der Welt vertreten. Das macht die Handlung so berührend wie dramatisch, jede politische Konnotation weicht vor der schieren menschlichen Befindlichkeit der Protagonisten. „Ihr könnt uns nicht die Welt verbieten“, sagt Magda im Zorn auf die allzu amtliche Konsulatssekretärin (Natalya Boeva), die (wenn auch zuweilen reflektiert und mit sich hadernd) auch nur routiniert und glatt ihre Vorgaben und Anweisungen befolgt. Ausgesprochen satirisch die Szene, wo eine der Wartenden (die einzige!) tatsächlich ihr Visum bekommt.

Das Duett mit der Konsularsekretärin ist eine beißende Ironie auf die Bürokratie – Katastrophen können kommen, Sonnen erkalten, aber jedes Formular braucht eine Unterschrift und ohne Papiere ist der Mensch nichts wert. Bei aller Tragik gelingt es Menotti dennoch, das Absurde der Situation auch von seiner lächerlichen Seite zu zeigen.  In einer Schlüsselszene im Wartezimmer des Konsulats  zeigt der Künstler Nika Magadoff (Roman Poboiny) auf satirische Weise, dass seine Identität nicht in Papieren aufscheint, sondern in seinen künstlerischen Leistungen. 

Sally du Randt @ Jan-Pieter Fuhr

Doch eine andere Schlüsselszene zeigt den Geheimdienstchef (Stanislav Sergeev, der Magda überwacht und bedrängt) aus dem Zimmer des Konsuls kommen – der im übrigen  trotz des Titels der Oper nie in Erscheinung tritt. Die Oper endet tragisch, aber der Appell an die Menschlichkeit ist dramaturgisch wie musikalisch höchst überzeugend. Die Handlung wird hauptsächlich von rezitativem Gesang getragen, aber auch von flotten Duetten oder Gruppenszenen, wie der hypnosetrunkenen „Traumszene“ im Konsulat. Das Bühnenbild (Christoph Rufer) berücksichtigt die prekären Begebenheiten im Martinipark und lässt die häuslichen Szenen der Sorels vor dem Vorhang spielen, die Hauptbühne gehört dem Konsulat. Die (manchmal allzu detailverliebten) Videoszenen (Gregor Brändli, der sich daran erfreut, Details der Folter an John zu zeigen) sind trotzdem kein unnötig schmückendes Beiwerk, sondern klar handlungsergänzend. Und auch die Kostüme (Mona Hapke) betonen gekonnt die Zeitlosigkeit der Handlung. Der aktuelle Bezug ist dennoch nicht ausgespart, hinter einem Zaun stehen protestierende Flüchtlinge und bitten um Einlass.

Beschwörend und desillusionierend zugleich die Schluss-Szene der Oper: Vor der EU-Flagge posieren zwei Politiker beim Händedruck – der eine ist der sadistische Geheimpolizist, der andere der gejagte Zauberkünstler. Ein starkes Bild am Tag des Brexit. Anhaltender Applaus für die Sängerinnen und Sänger, ganz explizit auch für das Orchester unter der Leitung von Ivan Demidov. Ein großartiger wie außergewöhnlicher Opernabend auf hohem  künstlerischen Niveau – mit berührender Aktualität ohne plakativen Zeigefinger.

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Eine „Cover-Version“ des Romans von Gustave Flaubert „Madame Bovary verspricht die kroatische Autorin Ivana Sajko. Ihr Stück „Bovary, ein Fall von Schwärmerei“ hatte nun in der Übersetzung von Alida Bremer die deutschsprachige Erstaufführung am Augsburger Staatstheater. Von Halrun Reinholz Die großen Ehebruchsromane des 19. Jahrhunderts sind standardisierte Klassiker der Weltliteratur – auch Flauberts Madame Bovary gehört […]

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