DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Sonntag, 11.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Gottes Liebling im Schauspiel: Peter Shaffers „Amadeus“ als Beitrag des Theaters zum Mozart-Jubiläumsjahr

Die Premiere des Schauspiels „Amadeus“ am gestrigen Samstag ist gelungen, die Inszenierung im Martinipark hat das Zeug zum „Publikumsrenner“, wie DAZ-Autorin Halrun Reinholz feststellt.

Anatol Käbisch als Mozart © Jan-Pieter Fuhr

Mit einem „Miau“ macht sich Wolfgang Amadeus Mozart bemerkbar, bevor er die Bühne über den Zuschauerraum mit spektakulärer Akrobatik betritt und bei den Herren mit den verstaubten Perücken Verwirrung und Entsetzen auslöst. Seine unkonventionelle Art stößt in den (immer noch) feudalen Strukturen am Hof Josephs II. auf Befremden, doch sein Genie wird auch von den Funktionsträgern (an)erkannt. Peter Shaffers Stück macht den Konflikt zwischen den alten und den neuen Strukturen, den Generationenkonflikt im Musikerleben, an der Person des Hofkomponisten Antonio Salieri als Gegenpart zum jungen Mozart fest. Unabhängig von der historisch nicht verbürgten Feindschaft der beiden bietet die Konstellation des (linien)treuen Staatsdieners Salieri gegenüber dem Freiberufler (und Freigeist) Mozart reichlich dramaturgisches Potenzial.

Regisseur David Ortmann ist klug genug, sich für die Inszenierung von Amadeus weitgehend von dem bekannten Milos-Forman-Film zu lösen. Als dramaturgischen Kniff bringt er „Frau Dr. Hermann“ ins Spiel, deren Funktion nicht ganz klar ist: Eine Journalistin, die die Erinnerungen Salieris dokumentiert und kommentiert? Oder eine Therapeutin, die Salieris Geständnisse kommentierend begleitet? Marlene Hoffmann spielt diese Rolle, wird aber auch immer wieder zu der energischen und lebenspraktischen Konstanze Mozart. Damit ist der Frauenpart dieser Inszenierung auch schon erschöpft. 

Für das feudale Hofschranzentum stehen die drei „Perückenmänner“ Graf Franz Orsini-Rosenberg, Direktor der Oper (Klaus Müller), Baron Gottfried van Swieten, Präfekt der Nationalbibliothek (Kai Windhövel) sowie Graf von Strack, Kaiserlicher Kammerherr und Förderer Mozarts (Sebastian Baumgart). Und natürlich der Herrscher selbst, Joseph II.,  (Sebastian Müller-Stahl mit „römischer“ Toga) ein eigentlich aufgeklärter Monarch, der sich schwer tut, seine eigenen Restriktionen zu überwinden. 

Die eigentliche Auseinandersetzung geschieht jedoch zwischen den Hauptakteuren Mozart (Anatol Käbisch) und Salieri (Thomas Pratzak). Der Intrigant Salieri erzählt aus seiner Perspektive, wie er den beruflichen Werdegang des jungen (und von ihm durchaus erkannten) Genies Mozart hintertrieben hat. Anatol Käbisch als hervorragend besetzter und feuerrot gekleideter „Amadeus“ bringt in jeder Hinsicht und mit filmreifem körperlichen Einsatz Bewegung in die Inszenierung. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen, wo er sich (auch mal gemeinsam mit Salieri) die in seinem Kopf entstehende Komposition „ertanzt“. 

Doch Begleiterscheinungen wie Räderschlagen, Furzen und provokantes Benehmen sind nur Symptome einer Zeit im Umbruch. Das vermitteln die beiden Hauptakteure überzeugend und vom Publikum heftig umjubelt. Auch das Inszenierungsteam (Bühne: Jürgen Lier, Kostüme: Ursula Bergmann) näherte sich der Thematik behutsam und zeitadäquat. Salieri wird von „Frau Dr. Hermann“ und dem Hausmeister (Theodore Ganger, der am Cembalo danach zu Kapellmeister Bonno mutiert) in einer unglaublich verstaubten Kulisse als Relikt aus einer anderen Zeit entdeckt, daraus entwickelt sich sein paranoides Geständnis.  

Mozart, der heitere Alleskönner, dem die Musik nur so aus der Feder fließt, scheitert schließlich an allen Fronten wegen Mangel an Struktur, Geld, Krankheit und dem schlechten Gewissen seinem Vater gegenüber. Womit wir wieder bei Leopold wären, dessen 300. Geburtstag dem Theater Anlass für „Amadeus“ bot. Die Inszenierung im Martini-Park ist ein großer, vergnüglicher Theaterabend mit Potenzial zum Publikumsrenner. —- Halrun Reinholz

gesamten Beitrag lesen »



Gesammelt gegen das Vergessen

Ein neues Buch und Vorträge zur „Bibliothek der verbrannten Bücher“ Als Sammlung mehrerer tausend Erstausgaben, deren Autorinnen und Autoren von 1933 bis 1945 verboten und verfemt waren, steht die Augsburger „Bibliothek der verbrannten Bücher“ für die Produktivität (jüdisch-)deutscher Literatur trotz Nationalsozialismus, Vertreibung und Exil. Am heutigen Mittwoch, den 6. Februar 2019 präsentiert die Universitätsbibliothek Augsburg von […]

gesamten Beitrag lesen »



Ballettpremiere Missing Link: Vielfalt in Grautönen

„Tanz ist Verwandlung des Raumes, der Zeit, des Menschen …“ Das Programmheft zum Ballettabend „Missing Link“ zitiert mit diesen Worten Augustus Aurelius. Was bedeutet es, wenn eine Ballettproduktion schon vor der Premiere restlos ausverkauft ist? Dass das Publikum den Ballett-Machern blind vertraut! In seiner zweiten Spielzeit als Ballettdirektor hat der bescheiden und sympathisch auftretende Ricardo Fernando […]

gesamten Beitrag lesen »



Werther am Staatstheater: Scherenschnitte im Puppenhaus

Die Oper „Werther“ von Jules Massenet hatte am Samstag Premiere im Martinipark. Die Inszenierung von André Bücker begeisterte Premierenpublikum wie Kritiker: „Ein großes Opernvergnügen“, so DAZ-Autorin Halrun Reinholz. „Die Leiden des jungen Werthers“ – dieser Briefroman des jungen Goethe über die unerwiderte Liebe eines jungen Mannes zu einer verheirateten Frau, die schließlich zum Selbstmord des Liebenden führt, […]

gesamten Beitrag lesen »



„Desintegration für alle!“ Neues Jahresprogramm des Jüdischen Museums

Unter dem Motto „Wie fremd darf man sein in Deutschland?“ will sich das Jüdische Museum Augsburg Schwaben (JMAS) in diesem Jahr mit unterschiedlichen Fremdheitserfahrungen von Juden und anderen Minderheiten befassen und diese aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Die neue Museumsleitung Dr. Barbara Staudinger gab mit der Vorstellung des Jahresprogramms 2019 auch Einblick in ihre Konzeption sowie […]

gesamten Beitrag lesen »



Retrospektive zum 100. Geburtstag von Wolfgang Lettl

„Der Grenzgänger“, so die Headline zur Retrospektive zum 100. Geburtstag von Wolfgang Lettl, dem eine Werkschau im Schaezlerpalais gewidmet ist  Der im Jahr 1919 geborene und 2008 verstorbene Maler Wolfgang Lettl zählte zu den produktivsten und populärsten Augsburger Künstlern. Anlässlich seines 100. Geburtstags zeigen die Kunstsammlungen und Museen Augsburg einen Werküberblick mit 67 Bildern. Die […]

gesamten Beitrag lesen »



Kunst aus Schwaben auf der afa

Der Bezirk Schwaben präsentiert sich vom 30. Januar bis 3. Februar auf der Augsburger Frühjahrsausstellung und stellt sich und seine Zuständigkeitsbereiche vor 2019 steht die Kulturarbeit auf der Augsburger Frühjahrsausstellung im Mittelpunkt. Am Bezirksstand wird das Thema „Kunst aus Schwaben“ in Zusammenarbeit mit der Schwäbischen Galerie im Museum Oberschönenfeld sowie dem Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Schwaben-Nord und -Süd präsentiert. 28 Künstlerinnen und […]

gesamten Beitrag lesen »



Berliner Luft in der Augsburger Puppenkiste

Karin Kurzendörfer entführt das Publikum im Foyer der Puppenkiste ins Berlin der Zwanziger Jahre Von Halrun Reinholz Die Konzertreihe „Live in der Kiste“ im Foyer der Puppenkiste hat sich vom reinen Jazz-Programm verabschiedet und ist nun auch für andere musikalische Genres offen. Sehr zur Freude des Publikums, wie gleich die erste Veranstaltung im neuen Jahr gezeigt […]

gesamten Beitrag lesen »



Staatstheater: Stummfilmnacht mit Livemusik

„Auf den Trümmern das Morgen“, so das Motto der zweiten Stummfilmnacht des Augsburger Staatstheaters Nachdem im Oktober die neue Serie des Staatstheaters bereits in die wilden 20er Jahre entführt hat, gibt es nun am 27. Januar die zweite Stummfilmnacht. Passend zur großen Eröffnungspremiere in der neuen brechtbühne im Gaswerk »Europe Central«, bei der unter anderem die […]

gesamten Beitrag lesen »



Keiyona Constanze Stumpf erhält Kunstpreis des Landkreises

Ausgezeichnet mit dem diesjährigen „Kunstpreis des Landkreises Augsburg dreidimensional“ (dotiert mit 2500 Euro) wurde die in Biburg lebende Künstlerin Keiyona Constanze Stumpf Der Entscheid der Juroren (Bildhauer Josef Zankl, Dr. Thomas Elsen, Leiter des H2-Zentrums im Glaspalast und der Neuen Galerie im Höhmannhaus sowie BBK-Vorstand Norbert Kiening) für die Bildhauerin war einmütig. Kiening sprach in seiner […]

gesamten Beitrag lesen »