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Montag, 12.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Theatersanierung: Archäologie fordert Erhalt der Stadtmauer

Als der Chef der Stadtarchäologie, Sebastian Gairhos, am vergangenen Freitag, den 5. Oktober vor der „Lenkungsgruppe Theatersanierung“ ein flammendes Plädoyer für den Erhalt der alten Stadtmauer hielt, zeigten sich Baureferent Gerd Merkle und Bürgermeisterin Eva Weber beeindruckt.

Von Siegfried Zagler

Historisches Mauerwerk beim Theater verursacht hohe Mehrkosten und eine erhebliche Zeitverzögerung bei der Theatersanierung Foto © DAZ

Die Geschichte der Stadtmauer erfasse an dieser Stelle den Ursprung der Stadtmauergeschichte vom 13. Jahrhundert bis zu seiner Schleifung im 19. Jahrhundert. Es werde eine einzigartige historische Dimension sichtbar, die man sonst nirgends in der Stadt habe. Man müsse das Bauwerk so erhalten, dass die Bürger es künftig auch sehen können, so Gairhos, der mit seinem couragierten Vortrag auch bei Stadtrat Volker Schafitel (FW) Gehör fand. Schafitel gehört der Lenkungsgruppe an und berichtete auf Anfrage der DAZ, dass das Engagement und die Überzeugungskraft des Archäologen keinen anderen Schluss zuließen, als dass der bedeutende Fund für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müsse. „Es wäre fatal, wenn man mit einem Kulturbau Kultur vernichten würde“, so Schafitel, der dem Augsburger Stadtrat jedoch vorab kleinkarierten Sparwillen unterstellt: „Es würde mich nicht wundern, wenn der Stadtrat an dieser Stelle sparen würde.“

Und Schafitel könnte richtig liegen. „Das ist in der Tat eine Frage der Abwägung“, so der kulturpolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Andreas Jäckel, der sich in Zurückhaltung übt, da eine mögliche finanzielle Beteiligung des Freistaats noch in der Luft hängen würde. Außerdem würde die diskutierte Bauzeitverlängerung von einem Jahr nicht nur finanziell ins Kontor schlagen. „Dieses Thema eignet sich nicht für einen Schnellschuss, es bedarf einer gründlichen Untersuchung“, so wird Jäckel von der Augsburger Allgemeinen zitiert. Die SPD zeigt vorsichtig Zustimmung für das Anliegen der Stadtarchäologie, während sich die Grünen wohl erst nach der Bayern-Wahl dazu äußern werden.

Laut Theaterarchitekt Walter Achatz würden Mehrkosten zwischen 4 und 4,9 Millionen Euro entstehen, falls die Stadt die Mauerreste in den Neubau (Orchesterprobensaal) integrieren wolle. Bereits am 24. Oktober sollen dem Stadtrat alternierende Beschlussvorlagen nach Achatz-Plänen vorgestellt werden. Sicher ist, dass das unterirdische Raumprogramm umgelagert werden müsste, wenn die Stadtmauer für Besucher erlebbar werden soll. Oberirdisch muss am Orchesterprobensaal nichts umgeplant werden.

Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang auch, dass der 22-Millionen-Euro-Puffer für Unvorhergesehenes bei der 186,3 Millionen-Theatersanierungsplanung mit den Zusatzkosten für die archäologische Premiumlösung pulverisiert werden würde – ohne dass bisher ein Stein bewegt wurde oder etwas Unvorhergesehenes passiert wäre.

 

 

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